Der effektive, entspannte Gebrauch des Körpers durch das Entwickeln von Körperbewusstsein sowie das Kennenlernen der Sprache und der Funktion des Körpers macht einen großen Teil meiner Arbeit aus. Dabei greife ich auf Techniken aus der Feldenkrais-Methode sowie der Eutonie und dem Sensory Awareness zurück. Auch meine Erfahrungen mit Kommunikationstheater sowie meine langjährige Tätigkeit als Ergotherapeut kommen mir dabei zugute.

Dabei geht es jedoch in erster Linie weniger um das Erlernen von Techniken als vielmehr um grundlegende Körpererfahrungen, die auf der Kontrolle der eigenen Aufmerksamkeit beruhen.

Dazu möchte ich gern ein praktisches Beispiel geben: Im Zen gibt es sogenannte Koans. Dies sind paradoxe, mit dem logisch-denkenden Verstand nicht zu ergründende Rätsel, die den Adepten zu einer Erweiterung seines Bewusstsein führen sollen.

Eines dieser Koans fragt nach dem “Ton einer klatschenden Hand”. Diese Frage erscheint dem rational denkenden Verstand völlig absurd, denn jedes kleine Kind weiß, dass es zum Klatschen zwei Hände braucht. Doch um das verstandesmäßige Ergründen geht es bei dieser Frage überhaupt nicht. Stattdessen geht es um das lebendige Erfahren aus erster Hand, um die eigene unmittelbare Wahrheit zu entdecken und zu erleben. Die Grenzen des rationalen Verstandes überschreiten und ins Fühlen kommen.

Ganz im Sinne des großen Mythenforschers Joseph Campbell, der einmal sagte, dass die meisten Menschen nicht so sehr nach den Sinn des Lebens suchten als vielmehr danach, sich wirklich lebendig zu fühlen. Und wir können uns nur dann lebendig fühlen, wenn wir … fühlen. Und dazu brauchen wir unsere unabgelenkte Aufmerksamkeit.

Was ist nun also der Ton einer klatschenden Hand? Machen wir uns bereit für ein praktisches Experiment und betrachten ein bis zwei Minuten lang unsere linke oder rechte Hand. Was sehen wir dort, wenn wir genau hinschauen? Und es geht jetzt nicht darum, diese Frage mit dem Verstand zu beantworten. Bleiben wir vielmehr im stillen aufmerksamen Betrachten unserer Hand und bemerken, was wir dort sehen. Wie fühlen wir uns, wenn wir unsere Hand in allen Einzelheiten, in jedem kleinen Detail betrachten – ein bis zwei Minuten lang …? Fühlt sich die Hand plötzlich irgendwie lebendiger an? Wacher? Präsenter? Und – vorausgesetzt, wir haben es tatsächlich geschafft, unsere Aufmerksamkeit unabgelenkt für eine oder zwei Minuten auf unsere Hand zu richten – fühlen wir uns, nach einer Weile des aufmerksamen Betrachtens, vielleicht auch irgendwie wacher, lebendiger, präsenter? Dies ist das Geschenk der Stille.

  • Hier finden Sie eine angeleitete Meditation, um das vorstehende praktisch zu erfahren.

Dieses kleine Experiment lässt sich natürlich auf den gesamten Körper anwenden (wozu ich herzlich einladen möchte).

Eine weitere sehr einfache Möglichkeit, den eigenen Körper als Weg in die Stille zu nutzen, ist die Schwerkraft der Erde zu nutzen, um sich von innen her aufzurichten. Die Beziehung zwischen Schwerkraft und unserem Körper ist eine Konstante, die sich zwangsläufig auf unser gesamtes Verhalten auswirkt.

Lebenslang bleibt unser Körper mit Bewegungen und Beziehungen zur Schwerkraft beschäftigt. Und ob sich unser Körper leicht oder schwer, auf angenehme oder auf erschöpfende Weise bewegt, ist abhängig davon, wie angemessen oder unangemessen wir uns dem Einfluss der Schwerkraft gegenüber verhalten.

Angemessen verhalten wir uns, wenn wir die Ausrichtung unseres Körpers so organisieren, dass wir den Widerstand und die Tragfähigkeit des Bodens nutzen. Intellektuell wissen wir zwar, dass uns der Boden trägt … ob wir dies aber auch wahrnehmen und empfinden und uns entsprechend verhalten, ist eine andere Frage.

Probieren wir es doch gleich mal wieder ganz praktisch aus: ganz gleich, ob wir jetzt liegen oder sitzen oder stehen – empfinden wir, dass wir dabei vom Boden getragen werden? Fühlt sich unser Körper an wie einer, der sich tragen lässt? Oder braucht es dazu eine gewisse Anspannung? Wie viel Muskelkraft benötigen wir tatsächlich, um uns auf mühelose Weise aufgerichtet und getragen zu fühlen?

Der Zustand, zu dessen Aufrechterhaltung wir nicht ständig Muskelkraft einsetzen müssen, wird als Gleichgewicht bezeichnet. Im Gleichgewicht zu sein fühlt sich leicht und angenehm an. Wenn wir uns vom Boden gestützt und getragen erleben, benötigt unser Körper keine Aufmerksamkeit mehr, um sich mit Anstrengung und Muskelkraft aufzurichten. Und dieses Erleben von Nicht-Anstrengung führt unmittelbar in die Stille.

Machen wir uns also immer wieder deutlich, dass, solange wir uns im Gravitationsfeld der Erde aufhalten, Schwerkraft ununterbrochen und unmittelbar auf uns einwirkt. Und unser Verhalten zur Schwerkraft, ob angemessen oder unangemessen, entscheidet über die Qualität unseres Seins. Darüber also, ob wir es körperlich leicht oder schwer haben und wie entspannt und innerlich still wir dabei werden können.