.... oder: wie du Stress als Weg zur Erleuchtung nutzt

Der tägliche Stress raubt uns den letzten Nerv und frisst uns auf. Sorgt für Fehlentscheidungen. Und macht auf Dauer krank!

Immer wieder sind mit schwierigen Herausforderungen konfrontiert, sei es im privaten Alltag, in unseren Beziehungen, in finanziellen Dingen oder im Job. Von den großen globalen Herausforderungen gar nicht zu reden: was in der großen weiten Welt passiert, wird immer auch unsere kleine Welt berühren und unser Leben beeinflussen.

Manchmal kommen wir an einen Punkt, wo es einfach nicht mehr weiter geht und wir komplett die Orientierung verlieren. Und uns vielleicht sogar der Sinn unseres Leben abhanden kommt.

Es ist nicht zu erwarten, dass diese Herausforderungen in absehbarer Zeit abnehmen. Ganz im Gegenteil. Das allgemeine Motto lautet: immer höher, immer schneller, immer weiter!

Dabei war das Leben nie als Kampf gedacht

Doch das sagt sich so leicht. Denn wenn uns der Alltag um die Ohren fliegt und wir nur noch im Reaktionsmodus funktionieren, ist an Leichtigkeit nicht zu denken.

Und wie gehen wir jetzt damit um?

Wir stellen wir es an, unsere täglichen Herausforderungen mit mehr Leichtigkeit und Gelassenheit und weniger Stress zu meistern?

Schauen wir, welche Weisheit uns die folgende buddhistische Parabel enthüllt:

Ein Mann, der über eine Ebene reiste, stieß auf einen Tiger. Er floh, den Tiger hinter sich. Als er an einen Abgrund kam, suchte er Halt an der Wurzel eines wilden Weinstocks und schwang sich über die Kante. Der Tiger beschnupperte ihn von oben. Zitternd schaute der Mann hinab, wo weit unten ein anderer Tiger darauf wartete, ihn zu fressen. Nur die Wurzel hielt ihn. Doch zwei Mäuse, eine weiße und eine schwarze, machten sich bereits daran, nach und nach die Weinwurzel durchzubeißen. Da sah der Mann eine saftige Erdbeere neben sich. Während er sich mit der einen Hand an der Wurzel festhielt, pflückte er mit der anderen die Erdbeere und biss hinein. Wie süß sie schmeckte!

Ah, ganz einfach also: wir laufen vor dem Stress davon, suchen uns eine leckere Erdbeere und verzehren diese genüsslich. Ganz entspannt im hier und jetzt! So weit so gut ...

Nicht, dass es verkehrt wäre, hin und wieder zu entspannen und sich etwas Gutes zu gönnen. Doch damit ist es nicht getan! Der nächste Tiger wartet nämlich schon. Und die beiden Mäuse knabbern an unserer Wurzel, an dem, was uns Halt und Sicherheit gibt.

Ja, es ist richtig und wichtig, Halt zu finden und sich mit seiner Wurzel – seinem Ursprung – zu verbinden. Und dann aber, wach und präsent, den Herausforderungen zu begegnen.

In der wachen Präsenz der Gegenwart können uns die Tiger nichts anhaben

Doch die kleinen unscheinbaren Mäuse, schwarz und weiß und damit das ewige Wechselspiel des Lebens symbolisierend, ermahnen uns wach zu bleiben! Und das zu tun, was getan werden muss.

Und das ist die eigentliche Botschaft dieser kleinen Geschichte: es geht nicht um das Ausruhen und Entspannen im Hier und Jetzt, wie es so oft propagiert wird, sondern sich wach und präsent dem Leben zu stellen und seine Herausforderungen zu meistern.

Die Essenz aller Weisheits-Lehren ist nicht, auf rosarot-erleuchteten Wolken zu schweben. Im Zen heißt es: Vor der Erleuchtung Holz hacken und Wasser holen, nach der Erleuchtung Holz hacken und Wasser holen.

Durch die Rückverbindung mit unserem Ursprung, unserem Wahren Selbst, ändert sich an den täglichen Herausforderungen nichts. Und doch ändert sich alles.

Sich nicht in die Ereignisse des täglichen Lebens verstricken und sich aber auch niemals vor ihnen zurückziehen – dies ist die Kernaussage des großen Zenmeisters Huang-Po aus dem 9. Jhdt. Und es ist der Schlüssel zu einem erfüllten, erfolgreichen und erleuchteten Leben.

So, wie es schon 300 Jahre vor Huang-Po in einem der wichtigsten Zentexte, dem „Vertrauen in den Geist“, heißt:

Der Große Weg ist nicht schwer zu gehen,
wenn du nur frei von Vorlieben bist.

Begehre nichts und lehne nichts ab,
und du wirst klar verstehen.

Wenn du willst, dass sich der Weg zeigt,
sei weder dafür noch dagegen.

Auf den Punkt gebracht: Lass die Tiger Tiger sein. Genieße deine Erdbeeren Und achte auf die kleinen Mäuse. Das Leben war nie als Kampf gedacht. Und vielleicht ist Stress ein Weg zur Erleuchtung!

Wird dieser Tiger dich fressen?

Eines Tages ging Zenmeister Xuansha mit einem seiner Schüler im Wald spazieren. Plötzlich taucht ein Tiger auf, und der Schüler ruft erschrocken: „Meister, ein Tiger!“

„Das ist dein Tiger“, entgegnete der Meister ruhig.

Mein Tiger, dein Tiger … warum ist der Schüler so erschrocken? Und warum bleibt der Meister ruhig? Finde es heraus!

Praktische Coaching-Tipps für den Alltag:

    • Lerne, die wichtigste Fähigkeit in deinem Leben zu kultivieren - die Fähigkeit, deine Aufmerksamkeit zu beherrschen und bewusst zu lenken.
    • Übe, deine Aufmerksamkeit eine Zeitlang so mühelos, wie möglich, auf eine einzige Sache zu richten.
    • Betrachte etwas. Wenn ein Impuls auftauchen sollte, das Betrachtete zu benennen, erlaube Dir, diesem Impuls nicht nachzugehen. Lass die Bezeichnung einfach fallen und bleibe mit Deiner Aufmerksamkeit bei dem, was Du betrachtest.

 

Hinweis in eigener Sache:

Die Kunst unmittelbar zu leben

 

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